Leipzig: Polizeiaufgebot und Verbotszonen in Connewitz – Sorge vor Eskalation bei Nahost-Demos
Leipzig steht am Samstag im Zeichen angespannter Demonstrationslage. Der Stadtteil Connewitz, oft Schauplatz linker und politischer Auseinandersetzungen, wird zum Zentrum potenzieller Konflikte. Angesichts mehrerer angemeldeter Kundgebungen rund um den Nahost-Konflikt sowie einer angemeldeten Versammlung von Rechtsextremen rüstet sich die Polizei mit einem Großaufgebot. Die Stadt Leipzig hat vorsorglich eine Allgemeinverfügung für Connewitz und das direkte Umfeld erlassen, um Ausschreitungen vorzubeugen.
Spannungen rund um den Nahost-Konflikt
Die aktuelle politische Lage, insbesondere die Entwicklungen im Nahen Osten, entlädt sich zunehmend auf den Straßen Leipzigs. Am Samstag stehen sich in Connewitz zwei Lager gegenüber, die diametral entgegengesetzte Positionen vertreten. Die Polizei warnt eindringlich vor möglichen Ausschreitungen und hat ein konsequentes Vorgehen angekündigt. Die Erfahrungen vergangener Demonstrationen in diesem Stadtteil, der als Hochburg linker Szene gilt, lassen die Behörden vorsichtig sein.
Sorge bei Linken-Politikerin Juliane Nagel
Die Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel äußerte sich im Vorfeld der Demonstrationen mit großer Sorge gegenüber dem MDR. „Ich habe große Angst vor dem Tag“, so Nagel. Sie verwies auf eine extreme Zuspitzung der Stimmung in den sozialen Netzwerken in den Tagen zuvor. Insbesondere der Aufruf zu einer pro-palästinensischen Demonstration sei von Lügen und gezielten Unterstellungen begleitet worden. Nagel berichtete von Vorwürfen, sie sei eine „Faschistin“, und von antisemitischen Drohungen, die im Internet kursierten – etwa die Forderung, jüdische Menschen „durchs Viertel jagen“ zu wollen. Diese Entwicklung wertet Nagel als eine „Entgrenzung von Menschen, die sich selbst links nennen, die ich für eine neue Qualität halte.“
Geänderte Routen zur Deeskalation
Ein Lichtblick in der angespannten Situation ist die kurzfristige Änderung der Hauptdemonstrationsroute. Die Versammlungsbehörde teilte mit, dass die von der Initiative „Antifa means: Free Palestine“ angemeldete Hauptdemonstration, die ursprünglich auch am Büro der Linken-Politikerin Nagel vorbeiführen sollte, nun eine andere Strecke nehmen wird. Ab 13 Uhr führt der Aufzug vom Connewitzer Kreuz über die Karl-Liebknecht-Straße in Richtung Innenstadt bis zum Augustusplatz.
Diese Verlegung hat einen entscheidenden Vorteil: Sie sorgt für eine räumliche Trennung zwischen der propalästinensischen Demonstration und den mehreren angemeldeten Gegenkundgebungen, die sich rund um das Connewitzer Kreuz formieren sollen. Die Polizei hofft, durch diese räumliche Distanzierung größere Konfrontationen zu vermeiden. Trotz der veränderten Routen bleibt die Polizei mit einem massiven Aufgebot in Leipzig präsent, um die Einhaltung der Auflagen zu gewährleisten.
Auswirkungen auf den Alltag: Geschäfte sichern sich ab
Die angespannte Atmosphäre wirkt sich bereits auf den Alltag in Connewitz aus. Einzelhändler in der Bornaischen Straße reagierten vorsorglich und sicherten ihre Glasfenster, um Sachschäden durch mögliche Ausschreitungen zu verhindern. Auch die Kundschaft scheint verunsichert: Ein Gemüsehändler am Kreuz berichtete von einem ungewöhnlich geringen Andrang am Samstagvormittag. Normalerweise bilden sich Samstags Warteschlangen; an diesem Tag gab es nur vereinzelt Käufer, weshalb der Händler beabsichtigte, früher zu schließen.
Störungen im öffentlichen Nahverkehr
Auch der Leipziger Nahverkehr war am Morgen von Störungen betroffen. Kurzzeitig kam es am Hauptbahnhof zu Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Sprecher der Deutschen Bahn (DB) und der Bundespolizei bestätigten einen Notarzteinsatz, der zu Verspätungen und Teilausfällen bei mehreren S-Bahnlinien führte. Die kurzzeitige Sperrung konnte jedoch rasch wieder aufgehoben werden. Diese Vorfälle zeigten die generelle Sensibilität der Verkehrsinfrastruktur im Kontext größerer Mobilisierungen.
Vorbereitung der Gegenseite: „All Connewitzer are beautiful“
Parallel zu den Demonstrationen bereiteten sich auch Gruppen vor, die ein Zeichen gegen Gewalt setzen wollen. Die Initiative „All Connewitzer are beautiful“ organisierte sich, um einen friedlichen Gegenpol zu bilden. Eine Organisatorin namens Jess betonte gegenüber dem MDR: „Wir wollen der bunte, friedliche Punkt hier sein und gegen Gewalt ein Zeichen setzen.“ Die Teilnehmer dieser Initiative bereiteten unter anderem die Versorgung vor, um die friedliche Atmosphäre im Viertel zu unterstützen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Connewitz am heutigen Tag ein Brennpunkt politischer Auseinandersetzungen ist. Während die Polizei präventiv handelt und Routenänderungen zur Deeskalation beitragen, bleibt die emotionale Lage, verstärkt durch die Polarisierung im Internet, hoch angespannt. Die kommenden Stunden werden zeigen, ob die Maßnahmen ausreichen, um einen friedlichen Verlauf der Kundgebungen zu gewährleisten.