Tarvis, Italien – Nach einer enttäuschenden Heimserie in Zauchensee richtet sich der Fokus der österreichischen Ski-Damen gespannt auf das italienische Tarvis. Nach 15 Jahren kehrt der Weltcup in die Region zurück, um am kommenden Wochenende Abfahrt und Super-G auszutragen. Während viele Athletinnen die Piste „Di Prampero“ als Neuland erleben, ruhen Österreichs Hoffnungen insbesondere auf Nina Ortlieb, die sich im Training stark präsentierte.
Rückkehr nach Tarvis und Vonn als „Insiderin“
Die Damen bestreiten am Samstag die Abfahrt und am Sonntag den Super-G. Ein Name, der in diesem Zusammenhang unweigerlich fällt, ist Lindsey Vonn. Die 41-jährige US-Amerikanerin, die ihre Karriere bereits beendet hat, kehrt als letzte Siegerin von Tarvis – sie gewann hier 2009 und 2011 – zurück. Vonn, die in ihrer Glanzzeit drei Kristallkugeln innerhalb von 48 Stunden in Tarvis gewann, betrachtet sich selbst als „Insiderin“.
Dennoch dämpfte die achtfache Weltcup-Siegerin die eigenen Erwartungen. „Ich habe wirklich keine Erinnerungen an hier, überhaupt nicht. Ich erinnere mich nur, dass es sehr warm war“, erklärte Vonn. Um sich auf die Strecke vorzubereiten, griff die US-Legende auf YouTube zurück, um sich die Eigenheiten des Hanges ins Gedächtnis zu rufen. Vonn analysierte, dass die Strecke, die eher geradlinig verläuft und hohe Anforderungen an die Gleitfähigkeit stellt, nicht unbedingt ihrem Fahrstil entgegenkomme. „Kurven sind mehr meines. In den zwei wichtigen Kurven, die wir hier haben, bin ich schnell“, so Vonn.
Ortlieb als österreichische Top-Hoffnung
Für das ÖSV-Team ist die Rückkehr nach Tarvis eine Chance, das kollektive Debakel von Zauchensee hinter sich zu lassen. Hier zeigte sich Nina Ortlieb als die konstanteste und schnellste Läuferin im Training. Die Vorarlbergerin, die sich in den Abfahrtstrainings auf den ersten und zweiten Platz fuhr, strahlt Selbstvertrauen aus, mahnt aber zur Vorsicht.
Vonn im Blickfeld und die Bedeutung des Starts
„Lindsey hat ihre ganzen Siege aus einem guten Grund. Man muss immer und überall mit ihr rechnen“, sagte Ortlieb über die ehemalige Dominatorin. Die 29-Jährige analysierte die Strecke präzise: „Extrem wichtig ist, dass man von oben weg das Tempo mitnimmt. Dann kann man relativ lang nichts mehr gutmachen.“ Ortlieb betont die Notwendigkeit, auf der Piste Di Prampero „extrem viel in Position zu fahren“, um im unteren, technisch anspruchsvollen Abschnitt eine „feine Klinge“ zu zeigen.
Trotz ihrer starken Trainingsleistungen relativierte Ortlieb ihren Erfolg: „Training und Rennen sind zwei Paar Schuhe.“ Dennoch deutet vieles darauf hin, dass die Österreicherin die besten Karten in der Hand hält, wenn es um den Kampf um das Podium geht.
Die Herausforderung für das ÖSV-Team
Auch andere Österreicherinnen sehen in Tarvis eine neue Chance. Cornelia Hütter, die Steirerin, musste sich ebenfalls intensiv mit der Strecke auseinandersetzen. „Im oberen Teil schaut alles ähnlich aus. Ich musste es schon öfters durchgehen als normal. Aber es ist alles im Kopf drin“, versicherte Hütter, die sich freut, nach langer Zeit mal wieder eine neue Strecke im Weltcup zu erleben. Sie identifizierte den „Schlüssel zum Erfolg“ in den flachen Abschnitten: „Wenn du da die Geschwindigkeit mitnimmst, bist du im Flachen schnell.“
Mirjam Puchner, die Fünfte des Abschlusstrainings, sieht ihre Gleitfähigkeiten als Vorteil auf der schnellen Piste. Sie prognostiziert ein enges Rennen und zeigte sich kämpferisch nach der Schlappe in Zauchensee: „Ich glaube nicht, dass wir das Skifahren verlernt haben. Es gibt halt Rennen, in denen es nicht so flutscht.“
Fazit: Spannung vor dem Comeback
Die Rückkehr nach Tarvis nach 15 Jahren bringt eine Mischung aus Nostalgie und neuer Herausforderung mit sich. Während Lindsey Vonn als prominente, aber nicht unbedingt favorisierte „Insiderin“ antritt, ist Nina Ortlieb die heißeste Kandidatin auf einen österreichischen Spitzenplatz. Die Piste Di Prampero wird Geschwindigkeit, Gleitfähigkeiten und eine fehlerfreie Linie erfordern. Die Fans dürfen sich auf ein hochspannendes Wochenende freuen, bei dem die ÖSV-Damen beweisen wollen, dass sie wieder voll in der Spur sind.